Im Oktober diesen Jahres veranstaltete ich in Kooperation mit dem kommunikativen Bildungswerk KOBI in Dortmund zum ersten Mal einen 3tägigen Bildungsurlaub zum Thema „Zurück zu den Wurzeln – Moderner Schamanismus“. Drei Tage waren zu kurz, um den anthropologischen Kosmos des Schamanismus zu überblicken, geschweige denn historisches und anthropologisches Wissen zu vermitteln. Darüber gab der Bildungsurlaub einen kurzen Abriss. Das war nicht das Ziel dieser Veranstaltung.

Warum Moderner Schamanismus?
Für mich als Leitung stand die Erfahrung der TeilnehmerInnen im Vordergrund. Denn Schamanismus ist keine Religion, sondern eine Erfahrung, auch wenn ein -ismus dranhängt!
Im modernen Schamanismus – auch als Neoschamanismus bezeichnet – geht es darum, das Alte Wissen in uns auf eine intuitive Weise zu „aktivieren“. Denn wir alle tragen schamanische Wurzeln unserer Vorfahren in uns. Leider wurde es durch die Christianisierung systematisch ausgerottet und zu „Heidentum“ erklärt.

Um welche Erfahrung geht es im Schamanismus?
Es geht in der schamanischen Erfahrung einmal um eine tiefe Rückbindung an die elementaren Naturkräfte. In der schamanischen Praxis bedeutet das in vielen Ritualen, sich den Elementen auch real auszusetzen, raus zu gehen in die Natur – mit ihr zu kommunizieren, auch mit den Pflanzen und Tieren. Eine Schwitzhütte im November in Deutschland bedeutet z.B., den kalten Wind auf der Haut zu spüren. So bekommen wir wieder einen realen Bezug zum Wetter.
Durch schamanische Rituale wird unsere Wahrnehmung vertieft und wir nehmen Kontakt auf zu älteren, zu assoziativen Bereichen unseres Gehirns, dort wo unsere INTUITION beheimatet ist.

Ist das nicht eher etwas für Esoteriker?
Der Zugang zur Intuition ist vielen Menschen heute verloren gegangen. Man könnte auch sagen: vor lauter Lärm hören wir diese „Stimme unseres Herzens“ nicht mehr. Sie wird übertönt vom Getöse der Medien und unseres Verstandes, der linear ausgerichtet ist, auf Ergebnisse und Ziele.

Ergebnisorientiert, rational und effektiv müssen wir im Berufsleben sein. Wenn jedoch das ganze Leben durchdrungen ist von dieser inneren Haltung der Funktionalität und Leistungsorientierung führt das zu Dauerstress, Disbalancen und Krankheiten. Die Zunahme von Krankheiten wie Depression, Burnout und die reale Bedrohung durch den Klimawandel weisen uns in drastischem Maße darauf hin, dass wir dabei sind, unsere Wurzeln zu verlieren, im Innen wie im Außen.
Um gesund zu bleiben können wir es uns streng genommen gar nicht „erlauben“, nicht rationale Schichten in uns zu verleugnen. Denn erst das macht uns zu vollständigen, reifen Menschen. Gesundheit bedeutet Integration und Ganzheit.

In diesem Bildungsurlaub ging es darum, sich für die eigenen Wurzeln zu sensiblisieren und schamanische Werkzeuge kennen zu lernen, mit denen Rückbindung wieder möglich ist.

Teilnehmerinnen brachten eigene Decken und Kissen mit für ihre Reisen nach innen:

Die Mesa – bei schamanischen Ritualen der Altar – steht im Zentrum des Kreises. Und das ist schon ein großer Unterschied: schaue ich von außen auf einen Altar, so wie es in unseren Kirchen ist oder bildet der Altar das Zentrum eines Kreises. Das schamanische „Weltbild“ ist zyklisch, nicht linear. Symbole für die vier Elemente liegen in den vier Himelsrichtung.
Auf der Mesa liegen hier von den TN gestaltete Kraftstäbe. Sie symbolisieren eine bestimmte Qualität, die eben „bekräftigend“ wirkt für den Lebens- und Arbeitsalltag:

Um die Mesa herum sieht man hier selbst gemalte Bilder und Skizzen. Sie sind nach einer Krafttierreise entstanden.
Das Krafttier ist ein zentrales „Werkzeug“ der schamanischen Arbeit: die jeweilige Eigenschaft des imaginierten Tieres bringt eine Kraft in Menschen hervor, die bisher vielleicht verborgen war. Diese Kräfte haben einen animalischen Charakter doch sie beinhalten auch Bewusstseinskräfte: dem Bär z.B. wohnt die Kraft des Raubtieres inne, gleichzeitig steht er für Schutz und Sanftmut.

Sich über die Erfahrungen im sogenannten „Kreis des Teilens“ oder mit einem Partner/ Partnerin auszutauschen ist sehr wertvoll. Auch wenn man sich nicht kennt: die schamanische Erfahrung öffnet ein gemeinsames Bewusstseinsfeld. Auch in diesen Tagen waren einige TN überrascht, wie leicht und bereichernd es war, tiefe Erfahrungen zu teilen. Und es gilt immer: das Teilen ist freiwillig!

Ein transrationales Weltbild?
Der Begriff stammt aus dem überaus lesenswerten Buch „Altes Wissen für eine Neue Zeit“ von Geseko Lüpke (2009).
Lüpke darin: „Was der Schamanismus im mindesten von uns fordert, ist die Einsicht, dass die westlich aufgeklärte, vernünftige Sicht der Dinge ihre Begrenzungen hat. Und dass es etwas „Wirkliches“ gibt, das über unsere Realität hinausreicht. (…) Sie führt uns in eine zutieft schöpferische Welt des „kann-sein“, der Potentialität (Anm.:so wie es z.b. auch die Quantenphysik tut).
In ihr gibt es immer mehrere Wahrheiten, die manchmal paradox sind. Wenn die aus der sichtbaren Welt generierte „Vernunft“ nicht mehr das einzige Kriterium von Wahrheit ist, dann können auch Rationales und Irrationales nebeneinander stehen und auf eine transrationale Welt verweisen, die jenseits dieser willkürlichen Trennung liegt“.

Skizze einer schamaischen Kosmologie mit realer Erde im Zentrum der Spirale. Das Symbol der Spirale verweist auf das unbegrenzte Potential, das uns innewohnt.

Im nächsten Jahr wird es einen 5tägigen Bildungsurlaub Schamanismus geben – wieder in Kooperation mit dem Kommunikativen Bildungswerk Dortmund (KOBI):
www.kobi.de

Zur Ankündigung auf dieser Homepage:
https://kalinafeldmann.de/seminare/bildungsurlaub-3-t-zurueck-zu-den-wurzeln/